Much - "Kleine kulturelle Leckerbissen einer großen Künstlerfamilie", so hatte das Kulturamt der Gemeinde den Liederabend der Familie Proujanski im evangelischen Gemeindehaus angekündigt. Was die Zuhörer erlebten, war durchaus mehr: Drei Künstlerpersönlichkeiten, Vater, Mutter und Tochter, boten einen kontrastreichen Hörgenuss, verklammert durch die gemeinsame Leidenschaft für die Musik und die Traditionen ihrer russischen Heimat. Den ersten Teil des Konzerts dominierte Ella Pruzhanskaya, mit ihren knapp 22 Jahren bereits eine Pianistin mit großer Konzerterfahrung und ein viel versprechendes Talent. Die Schreibweise ihres Namens übrigens, die sich von der ihrer Eltern unterscheidet, hat sie sich keineswegs selbst ausgesucht: Als die Familie 1992 von Moskau nach Düsseldorf übersiedelte, erhielt die damals noch nicht volljährige Ella einen neuen Pass vom russischen Konsulat, und anders als bei ihren Eltern wurde für sie nicht die französische, sondern die russische Transkription der kyrillischen Buchstaben gewahlt. Pruzhanskaya beeindruckte ihr Publikum im Gemeindesaal: Ein energisch angelegter Bach (Prelüdio und Fuge II, c-Moll), anschließend sehr heiter und unbeschwert die zwölf Variationen über "Ah vous dirai-je, Maman" von Mozart, die Sonata Reminiscenza von Medtner und natürlich insbesondere die beiden Werke der russischen Komponisten Rachmaninow und Rimsky-Korsakow bewiesen, dass die junge Pianistin bereits eine souverane Technik und große Ausdruckskraft besitzt.
Besonders gefielen jedoch anschließend die musikalischen Dialoge zwischen der jungen Pianistin und ihrem Vater Aron Proujanski. Die Interpretation der Lieder von Rimsky-Korsakow, Tschaikowsky und Glinka ließ spürbar die lange Vertrautheit der beiden Musiker erleben, die die elegischen Melodien in einem spannungsreichen Wechselspiel von Piano und Stimme zur Geltung kommen ließen. Den zweiten Teil des Programms bestritt Aron Proujanski gemeinsam mit seiner Frau Olga Proujanskaia, auch sie ausgebildete Pianistin, allerdings mit dem Schwerpunkt Begleitung und Musikpädagogik. Proujanski gab eine beeindruckende Kostprobe seines Könnens: Seine klare Tenorstimme und sein Talent, Kontakt zum Publikum aufzunehmen, machten seine Präsentation hebräischer und jiddischer Lieder zu einem Vergnügen. Allerdings, hatte sich vielleicht mancher Zuhörer eine Moderation gewünscht, die - über die glücklicherweise im Programm abgedruckten Texte der Lieder hinaus - eingehender die Tradition und Entstehungsgeschichte der jiddischen und hebräischen Lieder erläutert hatte. Dennoch - auch ohne erklarende Worte war der Abend mit Familie Proujanski ein Vergnügen.