RHEINISCHE POST 30.05. 1994, GISELA SCHOTTLER

Mit Gefühl, viel Herz und Süße

Tenorkonzert in Hösel

HÖSEL. Mit Herz und Gefühl, so wie es das erste jiddische Lied nach die Pause forderte, gestaltete der russische Tenor Aron Proujanski sein gesamtes Programm im Sonderkonzert des Höseler Kulturkreises. Soviel Schmelz und Innigkeit ist wohl nur im Wonnemonat Mai zu verkraften, aber ein Feigling, wer nicht zugeben will daß es ihm trotzdem gefällt. Aron Proujanski füllte mit seiner Belcanto-Stimme mühelos die Lücken im Zuschauerraum des Oberschlesischen Landesmuseums und erwies sich bereits im ersten Teil des Konzerts als unverbesserlicher Romantiker. Süße durchzog die deutschen, französischen, italienischen und russischen Arien, die bis auf die Tamino-Arie aus der "Zauberflöte" auch alle aus dem vorigen Jahrhundert stammten. Mit seiner Hingabe an Text und Musik, von seiner Frau Olga einfühlsam am Flügel begleitet, lieferte der 1992 nach Düsseldorf übergesiedelte. Sänger jedoch kein aufgesetztes Rollenspiel, sondern überzeugend Liebe, Schmerz, Trauer und Sehnsucht, ganz gleich, ob als Tamino, Lyonel, Graf Almaviva oder Lensky. Ausgefeilt und kraftvoll erschienen dazu die dramatischen Passagen. Drei Romanzen von Glinka, die den Arienteil beschlossen, leiteten in ihrer liedhaft-tanzerischen Eigenart bereits zu den jiddischen und hebräischen Strophenliedern des zweiten Teils über.

Schien zuvor das Urbild vom singenden Russen lebendig geworden zu sein, so begegnete man nun dem unverwechselbaren russischen Juden der seine Mama verehrt, Wundergeschichten vom Rabbi, von Gott und der Liebe erzählt. Aron Proujansky machte sich jedes Lied zu eigen und zündete mit Seele und Rhythmus- Seine Stimme blieb stets geschmeidig und locker, selbstverständlich in der Agogik und schmissig mit dem Schellentambourin oder im amerikanisch beeinflußten Halleluja. Viel Applaus begleitete das Konzert, und Zugaben gewährte das Musikerehepaar gerne.