RHEINISCHE POST, Dusseldorf 30. 09.1997

Opernklange in der Kirche

"Spiel eine Melodie, die Herz hat und Gefühl!", so lautet die Liedzeile eines jiddisches Stückes, mit dem Tenor Aron Proujanski, begleitet von seiner Frau Olga Proujanskaia am Flügel, wohltönend den gesamten Innenraum der Mutterhauskirche in Kaiserswerth ausfüllte.

Anlaß für dieses dritte Benefizkonzert war wieder die Jugendstrafanstalt Kolpino in Rußland, in der mehr als 500 Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren ihre Haft absitzen müssen. Die Kaiserswerther Malerin und Galeristin Annachrista Kroll-Buchholz, die sich seit über fünf Jahren mit ihrem Verein "Hilfe fur gefährdete und straffällige Jugendliche" für die Jungen engagiert, begrüßte zusammen mit Dr. Nancy Poland, Kantorin der Mutterhauskirche, die Gourmets der russischen und jiddischen Musik..Bewußt ließ der Tenor aus Rußland sein prachtige Stimme anschwellen und wieder abklingen, je nachdem, was die Volkslieder wie "Dona, dona" aus Polen, Ungarn, Rumanien und Rußland zu erzählen hatten. Mit sichtlicher Begeisterung begleitete ihn seine Frau am Flügel, wenn er singend sinnierte über Liebe, Glück und Tod, über Steppe und Winter in Rußland - und ebenso begeistert echoten ihnen die Zuhörer mit Beifall. Auch Tochter Ella Proujanskaia steuerte zum Benefizkonzert Klavierstücke von Tschaikowski und Chopin und rührte dabei die Herzen der Besucher an. Weil sich keiner so recht von den warmen Tonen losreißen wollte, gab es noch als Zugabe das ewig bekannte Lied "Hawa nagila".